P&R Container Insolvenz: Risiken für Banken, Berater und Anlagevermittler

 

Die Insolvenz der P&R-Container-Gesellschaften führt dazu, dass - nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters - derzeit 54.000 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz um Investitionen von 3,9 Mrd. EUR bangen.

 

Der Presse kann entnommen werden, dass fraglich ist, ob die Anleger auch nur einen geringen Bruchteil ihres Geldes wiedersehen. Der Insolvenzverwalter schließt nicht endgültig aus, dass Anleger sogar für Standkosten, Schäden, Verschrottung, etc. zusätzlich in Anspruch genommen werden müssten.

 

Letzteres wird vom Insolvenzverwalter eingeschränkt mit dem Satz, mit dem wohl auch viele Vermittler das Totalverlustrisiko, auf das P&R seit Jahren hinweist, relativiert haben:

 

"Dies ist in der Vergangenheit bei P&R jedoch noch nie geschehen."

 

Wenn Anleger um ihr Geld bangen, wittern Verbraucheranwälte ihre Chance. Keine 24 Stunden nach Insolvenzanmeldung hatte die erste Münchner Rechtsanwaltskanzlei bereits eine genial gestaltete Homepage, auf der man lesen kann, dass die Kanzlei über "20 Jahre Erfahrung im Bereich Container Direktinvestments" verfüge - 20 Jahre Erfahrung in 24 Stunden, wahrlich eine bemerkenswerte Leistung.

 

Sind Zahlungen des Insolvenzverwalters zumindest zeitlich fernliegend, Ansprüche gegen die BaFin sicherlich nicht naheliegend, so wird in allen Anzeigen, Zeitungsberichten und Darstellungen dem Anleger empfohlen, doch den Berater oder Vermittler in Anspruch zu nehmen. Geraten wird meist ein erstes "privates" Schreiben, um dem Vermittler Aussagen zu entlocken und die Erstattungsfähigkeit der Anwaltskosten zu begründen.

 

Nicht selten versuchen Vermittler dann, ihren Ruf zu retten und dem Kunden zu beschwichtigen, mit Sätzen wie:

 

"Das konnte doch wirklich keiner ahnen, das ist doch 35 Jahre lang immer gut gegangen."

 

Ein solcher Satz, schnell zu Papier gebracht, kann fatale Folgen haben.

 

Wie jede Bank muss auch der freie Anlageberater und Anlagevermittler seinen Kunden vor Zeichnung einer Investition anlegergerecht und anlagegerecht beraten.

 

Die schriftlichen Informationen, die P&R seit einigen Jahren bei einer Investition erteilt und verteilt haben, sind drastisch und deutlich genug gewesen. Auf das Totalverlustrisiko wird schon lange hingewiesen.

 

Mag der Vermittler im Beratungsgespräch die Aussage getätigt haben, die auch der Insolvenzverwalter heute tätigt:

 

"Totalverlustrisiko - dies ist in der Vergangenheit bei P&R noch nie geschehen"

 

ist dies unschädlich, da hierdurch das Risiko nicht negiert wurde, sondern wahrheitsgemäß berichtet, und allenfalls eine Eintrittswahrscheinlichkeit besprochen wurde.

 

Sollte der Vermittler heute seinem Kunden jedoch schreiben:

 

"Das hat doch keiner ahnen können. Das ist in der Vergangenheit doch immer gut gegangen."

 

würde dies auf eine Entwertung des Risikohinweises hindeuten und wäre für den Anleger eine Steilvorlage, um den Vermittler auf Schadensersatz in Anspruch nehmen zu können.

 

Banken wissen, wie man mit Kundenbeschwerden umzugehen hat: freundlich bleiben, Unterlagen sichten, kompetent antworten!

 

Auch freie Anlageberater und Anlagevermittler sollten nicht der Versuchung erliegen, vorschnell und freundlich zu antworten, um den Kunden nicht zu verprellen - frei nach dem Motto: Ein guter Kunde verklagt mich ohnehin nicht.

 

Werden sie als Berater oder Vermittler in Anspruch genommen, sollten Sie dies ernst nehmen.

 

Wenn sie unmittelbar freundlich antworten wollen, um ihre Schnelligkeit und Kundenorientierung unter Beweis zu stellen: Verfassen Sie ein freundliches Schreiben, in dem der Eingang der Beschwerde bestätigt und eine kurzfristige kompetente Antwort in Aussicht gestellt wird.

 

Sichten sie in Ruhe ihre Unterlagen: Kalender, Beratungsdokumentation, Übergabebestätigung eines Prospektes, Telefonnotizen, etc.

 

Antworten sie überlegt: Alles, was Sie einmal geschrieben haben, kann später gegen Sie verwendet werden.

 

Steht im ersten schnellen Antwortschreiben, dass sie nicht mehr wüssten, ob über das Totalverlustrisiko gesprochen wurde oder ein Prospekt übergeben wurde, wird man ihnen nicht Glauben schenken, wenn sie sich 14 Tage später tatsächlich daran erinnern, wann und wo dies war.

 

Überlegen Sie, ob es wirklich geschickt ist, dem Kunden ohne anwaltliche Hilfe zu antworten. Was im frühen Stadium eines Beschwerdevorgangs gespart wird, kann am Ende oft teuer werden. Bei Beschwerden können wir gerne mit ihnen die Voraussetzungen einer anleger- und anlagegerechten Beratung besprechen, ihre Dokumentation prüfen, sie auf wichtige Punkte hinweisen - und auch wir können freundliche Schreiben für Sie verfassen.

 

Nehmen sich beide Parteien eines Rechtsstreits einen Anwalt, muss dies die Geschäftsverbindung nicht beenden, sondern kann gerade dazu führen, dass die Sache kompetent und rechtlich korrekt beurteilt, verhandelt und geregelt wird. Ein Rechtstreit muss die Geschäftsbeziehung nicht belasten, sofern er fair und auf Augenhöhe geführt wird.

 

Wir beraten ausschließlich Banken, Anlageberater und Anlagevermittler sowie Kapitalanlagegesellschaften.

Johannes Meinhardt, M.B.A., Fachanwalt für Bankrecht Kapitalmarktrecht Nürnberg

 

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