Ein Kind wird volljährig, was sollten Eltern und Heranwachsende nun regeln?

 

I. Vorsorgevollmacht

 

Der Begriff der Vorsorgevollmacht wird in der Regel mit Alter, Gebrechlichkeit und Schwersterkrankung verbunden, nicht jedoch mit der Volljährigkeit des jungen Erwachsenen. Ein Fehler, wie die Praxis zeigt:

 

Beispiel:

 

Der 18 Jahre alte F erleidet mit seinem gerade erst erworbenen Fahrzeug einen schweren Verkehrsunfall und wird bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Die eintreffenden Eltern erhalten auf Nachfrage beim behandelnden Arzt keinerlei Auskünfte. Dieser beruft sich auf die ärztliche Schweigepflicht.

 

Mit Eintritt der Volljährigkeit erlischt die gesetzliche Vertretungsmacht der Eltern. Nicht nur Ärzte, sondern auch andere Stellen, wie Behörden, Banken, etc. sind nicht „mehr“ befugt, Auskünfte den Eltern zu erteilen.

 

Im obigen Fall wäre eine Vorsorgevollmacht des 18-jährigen F, in welchem dieser einen oder beide Elternteile als Bevollmächtigte benannt hat, hilfreich gewesen.

 

Warum?

Eine Vorsorgevollmacht berechtigt darin genannte Personen bestimmte Handlungen für den Vollmachtgeber vorzunehmen, sowohl in persönlicher wie auch vermögensrechtlicher Hinsicht. So wäre der Bevollmächtigte im obigen Beispiel befugt, Auskünfte bei Ärzten, Dienststellen, usw. einzuholen.

 

Nicht aber nur in den Fällen von Krankheit ist eine Vorsorgevollmacht dienlich:

 

Beispiel:

 

Nach dem Abitur geht die 18-jährige R für 3 Monate ins Ausland. Zur ordnungsgemäßen Einschreibung an der Hochschule wird aber kurzfristig, die Vorlage einer amtlichen Bescheinigung notwendig.

 

Ohne eine Vorsorgevollmacht wäre es den Eltern von R nicht möglich, für R Anträge bei Behörden oder ähnlichem zu stellen bzw. abzuholen. Auch die Entgegennahme von besonderen Poststücken (Einschreiben usw.) wäre nicht möglich.

 

Mit der Vorsorgevollmacht könnten die Eltern fristwahrend alle notwendigen Schritte für ihre im Ausland sich aufhaltende Tochter R veranlassen.

 

II. Patientenverfügung

 

Mit der Erstellung eine Vorsorgevollmacht sollte die Erstellung einer Patientenverfügung einhergehen.

 

Bis zum 18. Geburtstag dürfen die Eltern die Heilbehandlung im Falle der Krankheit mit den Ärzten abstimmen, mit Volljährigkeit endet aber auch hier die elterliche Befugnis.

 

Daher sollte der Volljährige sein Selbstbestimmungsrecht hinsichtlich eines „nicht unmittelbar bevorstehenden“ Falles von Krankheit wahren und durch eine Patientenverfügung vorbeugend regeln. Selbst wenn die Eltern/Dritte die Wünsche des Volljährigen kennen, müssen die Ärzte deren Äußerung nicht beachten, wenn nicht in der Patientenverfügung ein oder beide Elternteile oder auch Dritte als Personen genannt sind, die für die Einhaltung des Patientenwillens Sorge zu tragen haben.

 

III. Bankvollmacht und Sparkonto auf den Namen des Minderjährigen

 

In der Regel besitzen Minderjährige bereits ein Bankkonto oder ein Sparbuch, welches von den Eltern/Großeltern oder anderen Personen für sie eingerichtet wurden. Auch hier kann der Eintritt der Volljährigkeit für die weitere Verwendung des Kontos von Bedeutung sein.

 

Unterschiede hinsichtlich der Kontovollmacht bei Eintritt der Volljährigkeit ergeben sich zunächst bei der Frage, ob das Konto oder Sparbuch bereits auf den Namen des Kindes oder den der Eltern angelegt wurde. Im letzteren Fall ändert sich hinsichtlich der Verfügungsbefugnis der Eltern auch mit der Volljährigkeit nichts, da das Konto auf den Namen der Eltern läuft. Diese sind als Kontoinhaber weiterhin berechtigt, über das Konto zu verfügen.

 

Sollte das Konto/Sparbuch allerdings bereits auf den Namen des Minderjährigen angelegt worden sein, endet die Verfügungsbefugnis der Eltern mit Eintritt der Volljährigkeit.

 

Üblicherweise gehen die Banken/Sparkassen auf die 18-jährigen zu, damit eine Aktualisierung der Kontoverbindung vorgenommen werden kann. Falls dies nicht geschieht, sollten die/der Volljährige mit den Eltern eine neue Vollmacht bei dem Institut erstellen.

 

IV. Privathaftpflichtversicherung

 

Die Notwendigkeit des Abschlusses einer Privathaftpflichtversicherung zur Absicherung vor Schadensersatzansprüchen Dritter dürfte heutzutage außer Frage stehen.

 

In der Regel sind sogar die bereits volljährigen Kinder, soweit sie noch nicht verheiratet sind, das 25. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und sich noch in Schule oder Ausbildung befinden, in der Privathaftpflichtversicherung der Eltern kostenfrei mitversichert.

 

Allerdings ändert sich dies, sobald die Ausbildung beendet ist. Dies sollten der Volljährige und auch die Eltern neben der Freude über den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und des Studiums nicht außer Acht lassen, denn sehr schnell wird durch eine kurze Unaufmerksamkeit ein Schaden mit nicht unerheblichen finanziellen Kosten für den jungen Erwachsenen verursacht.

 

Beispiel:

 

Die junge Erwachsene F, die gerade ihren Studienabschluss in der Tasche hat, fährt mit ihrem Fahrrad durch die Stadt und touchiert dabei eine ältere Fußgängerin, welche sich beim Sturz nicht unerheblich verletzt.

 

Die kostenaufwendigen Heilbehandlungskosten der Rentnerin können zu einer finanziellen Belastung der jungen Erwachsenen F führen. Eine Privathaftpflichtversicherung würde in einem solchen Fall die berechtigten Ansprüche der Rentnerin ausgleichen und unberechtigte Ansprüche abwehren. Allerdings würde die Privathaftpflichtversicherung der Eltern hier nicht mehr eintreten, da sich F nicht mehr in der Ausbildung befindet und nicht mehr zu dem versicherten Personenkreis gehört. Eine eigene Privathaftpflichtversicherung wäre für einen solchen Fall hilfreich.

 

Fazit:

 

Die Rechte und Pflichten von Volljährigen sollten Eltern mit ihren erwachsenen Kindern eingehend besprechen und auf die Notwendigkeit von Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung sowie Privathaftpflichtversicherung aufmerksam machen.

 

Kerstin Gieseler Rechtsanwältin Nürnberg

 

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