Kreuzfahrt passé – Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit

 

Der für Reiserecht zuständige 10. Senat des Bundesgerichtshofes entschied am 29.05.2018 zugunsten von Urlaubern, deren Reiseveranstalter es versäumt hatte, eine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff für sie zu reservieren, BGH vom 29.05.2018, Az. X ZR 94/17.

 

Die Klägerin buchte für sich und ihren Mann bei der Beklagten als Reiseveranstalterin eine Kreuzfahrt in der Karibik für 4.998,00 EUR. Letztere musste den Reisenden 3 Tage vor Reisebeginn mitteilen, dass eine Reservierung der Kabine fälschlicherweise unterblieben sei.

 

Die Urlauber unternahmen daraufhin kurzfristig eine Mietwagenreise in Florida.

 

Nach Rückkehr aus den USA forderten sie vom Reiseveranstalter wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit Entschädigung und darüber hinaus noch den Ersatz der Mehrkosten in Höhe von 887,95 EUR für die Mietwagenreise.

 

Das Landgericht Köln (vom 17.02.2017, Az. 4 O 124/16) sprach der Klägerin neben der Erstattung der Rechtsanwaltskosten in Höhe von 409,84 EUR eine Entschädigung in Höhe von 3.685,20 EUR zu und wies die Klage im Übrigen ab.

 

Auf die Berufung der Klägerin erhielt sie vom Berufungsgericht (OLG Köln vom 19.07.2017, Az. 16 U 31/17) die Mehrkosten für die Mietwagenreise sowie weitere Rechtsanwaltskosten zuerkannt, die restlichen Ansprüche der Klägerin wurden abgewiesen.

 

Die Revision der Klägerin auf weitere Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit sowie weitere Rechtsanwaltskosten hatte dagegen keinen Erfolg. Der BGH gab dem Berufungsgericht Recht, soweit dieses eine Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit in Höhe des vollen Reisepreises abgelehnt hatte. Das Berufungsgericht hatte festgestellt, dass bei der Bemessung der Entschädigung eine vereitelte Reise nicht mit der durch Reisemängel entwerteten Reise gleichgestellt werden könne. Nach Ansicht des BGH ist bei einer ausgefallenen Reise daher nicht stets eine Entschädigung in voller Höhe des Reisepreises als angemessen anzusehen. Insoweit sei dem Urteil des Berufungsgerichtes, der Klägerin 73 % des Reisepreises zuzuerkennen nicht rechtsfehlerhaft zum Nachteil der Klägerin gewesen. Nach Auffassung des Bundesgerichtshofes hat das Berufungsgericht zugunsten der Klägerin berücksichtigt, dass es sich um eine hochwertige Kreuzfahrt gehandelt habe sowie um eine sehr kurzfristige Absage von Seiten des Reiseveranstalters, demgegenüber aber auch, dass die Reisenden durch die Absage frei über ihre Zeit hätten verfügen können.

 

Auf die Anschlussrevision der Beklagten wurde das landgerichtliche Urteil wiederhergestellt. Die Klägerin hatte die Mehrkosten für die Mietwagenreise als Schadensersatz wegen Vereitelung der Reise geltend gemacht, § 651 f BGB, aber nicht als Kosten der selbstgeschaffenen Abhilfe gemäß § 651 c Abs. 3 BGB. Nach Auffassung des 10. Senates des Bundesgerichtshofes können die Aufwendungen für die unternommene Floridareise nicht eine Abhilfemaßnahme wegen des Mangels der Reiseleitung darstellen, wenn gleichzeitig die Reise aber insgesamt vereitelt worden ist.



Die Erwartungen der Urlauber auf eine Kreuzfahrt wurden zwar enttäuscht, aber gleichzeitig wurde ihnen die Möglichkeit einer Floridarundreise geboten.

Kerstin Gieseler Rechtsanwältin Nürnberg

 

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